form follows movement

Vortrag an der AIBK, Architekturfakultät Innsbruck am 10.11.2011 zum 2012 erscheinenden Buch „form follows movement“

Fotos:
Workshop RIVKA RINN: „body in motion“
action shooting

AUSZUG:

Der Raum entsteht aus der Handlung

Seit dem Urknall, der Möglicherweise nur eine Momentaufnahme totaler Verdichtung ist, befindet sich jeder Teil des Universums in Bewegung. Actio – reactio ad infinitum. Der Bewegung wohnt eine Handlung inne. Sich dehnen oder zusammenziehen ist ein Tun, ein Geschehensvorgang, eine Handlung.
Das Ausbreiten des Universums ist demzufolge eine Handlung und schafft permanent neuen Raum. Dieser Vorgang wird bei den Vorsokratikern (Vor Sokrates lebenden Philosophen) auch beschrieben als Aktionatik, als ARCHÉ – der Urstoff, aus dem die Welt entstanden ist.
Thales von Milet nahm als Urstoff das Wasser an, Anaximander das Apeiron (das Unbegrenzte), Anaximenes die Luft.
Bazon Brock: „Arché ist die Letztbegründung, die Aktionatik.“
Das Universum, die Evolution (die Genesis), unser Denken ist in ständiger Bewegung. Die Landschaft ist in permanenter Veränderung, hervorgerufen durch kosmische Einflüsse, klimatische Veränderungen, Wasser, Erosion, Biorhythmen, Tag und Nacht in einem unendlichen Prozess, immer fortschreitend, ewig. Die THESE „form follows movement beschreibt den evolutionären Prozess als Gesamtes und dieser Prozess ist Grundlage jeglichen Schaffens. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Inszenierung des Menschen in der architektonischen Landschaft.

Tanz
Der Ansatz für diese These kommt aus dem Tanz. In meiner Zeit als Ausdruckstänzer in Wien in den Jahren 1982 – 1989 habe ich das Individualstrukturalistische Manifest verfasst.
Das Manifest befasst sich mit dem künstlerischen Prozess an sich. Der primären Wahrnehmung von Objekten und Situationen (primärer Individualstrukturalismus) und der Transformation derselben (sekundärer Individualstrukturalismus).
Der Mensch ist ein Akteur und erkennt sich als Individuum, subjektiv und einzigartig.
Aus dieser subjektiv-individuellen Sichtweise verändert der Mensch permanent seine Umwelt, seinen Bedürfnissen und denen seiner Gruppe entsprechend, aus Gründen des Überlebens und der langfristigen Sicherung des Überlebens.
Diese Aktionatik erschafft individualstrukturalistisch gestaltete Räume, die eine auf den Menschen bezogene Transformation der Landschaft darstellen.
Der Kernsatz des Manifests, die Translokation der Subrealität des Individuums in den Realraum, bezieht sich auf den Prozess der Transformation: über die Wahrnehmung – zur Idee der Veränderung – zur Skizze – zum Entwurf – zum Plan und schließlich zur Umsetzung – zur Materialisation.
Der persönliche Bezug zum Raum – zur Bühne – ist im Ausdruckstanz sehr körperlich. Der Mensch und seine Bewegungen beeinflussen den Raum und umgekehrt. Der Mensch formt den Raum soweit, bis er zu einer Funktionserweiterung seines Körpers wird. Der Raum erweitert dadurch den Handlungsspielraum des Menschen. Gleichzeitig wird durch die Zuordnung eines Raumes zu einer bestimmten Handlung (Funktion), die Handlung selbst perfektioniert und in Szene gesetzt.

Folglich ist die Materialisation der Handlung der architektonische Raum, dessen Aufgabe es ist, den Menschen zu inszenieren.

Volker Miklautz


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